Integra e.V. - Psychosoziale Dienstleistungen
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Jahresbericht 2010 der Geschäftsführung von „Integra"

1. Fachdienste

Zusammenfassung

Die Aktivitäten der Fachdienste des Vereins waren in 2010 geprägt von einer weiteren Zunahme der Nachfrage im Bereich des „Ambulant Betreutes Wohnen (ABW)“, aber auch einer Stagnation bei den „Flexiblen Erziehungshilfen“.

Ausgebaut werden konnte das ABW in allen drei Kommunen bzw. Kreisen, in denen Integra e.V tätig ist: im Ennepe-Ruhr-Kreis, in der Stadt Hagen und im Märkischer Kreis.
Besonders hervorzuheben ist die Einrichtung einer Wohngemeinschaft für psychisch Behinderte in Hagen und die Einrichtung einer neuen Dienststelle in Lüdenscheid.

Ein weiterer Eckpfeiler der Arbeit war die Festigung der neuen Leitungsebene mit Abteilungsleitungen in EN-Nord, EN-Süd, Hagen und MK in den Bereichen des ABW und der Flexiblen Erziehungshilfen. Dabei wurden im Laufe des Jahres 2010 die Bereiche ABW EN Süd- und Nord sowie Flexible Erziehungshilfen EN-Süd und EN-Nord umstrukturiert, so dass die Zahl der Leitungskräfte im Ennepe-Ruhr-Kreis von zunächst vier auf zwei Abteilungsleitungen reduziert wurde.

Insgesamt steigerte sich im ABW die Klientenzahl (Stichdatum 31.12.) von 133 in 2009 auf 206 in 2010. Insgesamt wurden im ABW 18103,5 FLS umgesetzt.
In der Jugendhilfe wurden 2010 weitere insg. 28 Klienten im Umfang von 3869 FLS betreut.

Am 31.12. 2010 waren bei Integra e.V. insgesamt 32 Personen in den Fachdiensten tätig, davon 20 festangestellte Fachkräfte mit fachentsprechenden (Berufs-)Ausbildungen (Dipl.-SozialarbeiterInnen, -pädagogen/Innen, Dipl.-Sozialwissenschaftler, Dipl.-Pädagogen, Fachkrankenschwester für Psychiatrie, Ergotherapeutin, Sozialtherapeut), 8 ausgebildete Fachkräfte auf Honorarbasis, sowie 4 Kräfte ohne Berufsausbildung als Assistenzkräfte.

Die Beschäftigungsumfänge reichen von einer geringfügigen Beschäftigung auf „400-Euro-Basis“ bis Vollzeitanstellung (40 Std. pro Woche).
Die fachdienstübergreifende Verwaltung wurde von der Geschäftsführung, einer Verwaltungsangestellten (Vollzeit) und einer Hilfskraft im Rahmen einer von der Job-Agentur EN bewilligten AGH (sog. „1-Euro-Job“) durchgeführt, so dass insgesamt 35 Personen bei Integra e.V. beschäftigt sind, bzw. mit Integra e.V. zusammenarbeiten.

1.1. Fachdienste Ambulant betreutes Wohnen

1.1.1. Fachdienste EN

Im Laufe des Jahres 2010 (in Klammern: 2009) wurden im Ennepe-Ruhr-Kreis im Rahmen des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) für Abhängigkeitskranke insgesamt 115 (89) Klienten betreut. Die Betreuung wurde bei 112   Personen vom LWL oder LVR finanziert, 3  Personen waren Selbstzahler. Die Betreuungsumfänge liegen zwischen 1 und 6 Fachleistungsstunden (FLS), der Durchschnitt liegt nach wie vor deutlich unter dem NRW-Landesdurchschnitt. Insgesamt wurde es besonders im Bereich der Abhängigkeitserkrankungen immer schwerer, den beantragten Betreuungsumfang genehmigt zu bekommen.

Bei 10 (10) Klienten wurde die Betreuung in 2010 beendet. Beendigungsgründe waren eine reguläre Beendigung aufgrund einer guten Stabilisierung (2x), 3 Aufnahmen in eine stationäre Wohneinrichtung, Wohnortwechsel (1x), Abbruch durch die betreute Person (2x). Bei 2 Klienten wurde die Betreuung durch unseren Fachdienst gekündigt.

In 2010 wurden 10 (6) weitere Personen im Bereich ABW für psychisch Behinderte in Witten betreut. In einem Fall endete die Betreuung, da der Klient in ein Wohnheim vermittelt werden musste.

Das Jahr 2010 war geprägt von einer starken Klientennachfrage in Witten, Wetter und Herdecke. In den drei Städten konnte der Fachdienst EN-Nord unter Leitung von Jürgen Zerbin sich weiter etablieren. Im Vergleich zu Fachdiensten anderer Träger ist es aus unterschiedlichen Gründen gelungen, sich durchzusetzen. (relativ wenig Konkurrenz, gute Vernetzung, gute Räumlichkeiten, Kooperationsabsprachen mit Bethel vor Ort).

In EN-Süd stagnierte die Nachfrage. Es mangelte sowohl an der notwendigen intensiven Vernetzungsarbeit bei gleichzeitiger starker Konkurrenz durch andere Träger. Trotz aller internen Bemühungen, gelang die wünschenswerte Erweiterung des Fachdienstes EN-Süd (Leitung: Herr Linke) nicht, so dass sich der Vorstand von Integra e.V. entschloss, beide Fachdienste unter einer Leitung, allerdings unter Beibehaltung der beiden Standorte Witten und Schwelm, zusammenzuführen.
Entsprechend schied Herr Linke zum Ende des Jahres aus und Herr Zerbin übernahm die Gesamtleitung der ABW-Fachdienste EN.

Für seine Leitungstätigkeit wurde Herr Zerbin Ende 2010 komplett freigestellt, damit die umfänglichen Leitungs-, Koordinations- und Verwaltungstätigkeiten zu bewältigen waren. In 2010 konnten sich Gruppenangebote in EN-Nord („Frühstücksgruppe“, Freizeitgruppe) und EN-Süd (Kreativgruppe) etablieren, die z.T. mit 5 – 12 Personen sehr gut besucht sind.

1.1.2. Fachdienst Hagen

Deutlich erfolgreicher als im Vorjahr verlief die Arbeit in Hagen (BeWo für Abhängigkeitskranke und für psychisch Behinderte). Die in den Vorjahren zutage getretenen Schwierigkeiten in der Bewilligungspraxis von Neu-Fällen, die oft auf fachlich sehr unterschiedliche Einschätzungen über den Hilfebedarf der Klienten zwischen dem Hagener Gesundheitsamt und unserem Fachdienst zurück zu führen waren, verbesserten sich nach intensiven Gesprächen mit dem LWL, in die die Landesreferentin für Suchtfragen des DPWV NRW und die Geschäftsführerin des DPWV Hagen einbezogen waren.

Die Präsenz vor Ort durch den neuen Fachdienstleiter, Herrn Klaus Schemme, kam hinzu. Herr Schemme hatte als erste Aufgabe die Einrichtung der geplanten Wohngemeinschaft für 4 Personen in einem ehemaligen Pfarrhaus in Hagen, das Ende 2009 angemietet werden konnte und das zum 1.2.2010 in Betrieb ging. Die Anbindung der neuen Klienten gelang gut, so dass vier psychisch behinderte Menschen, die ohne diese WG-Anbindung auf eine stationäre Unterbringung angewiesen wären, im eigenen Wohnraum weitestgehend selbstbestimmt leben können.

Leider kündigte der bisherige Kooperationspartner NOVA Hagen e.V. die weitere Zusammenarbeit ohne inhaltliche Begründung, so dass ein Teil der bisherigen Vernetzung wegbrach. Andererseits gelang es nach langen Bemühungen, in das Hagener Suchthilfe-Netzwerk und den Hagen-Dortmunder Verbund aufgenommen zu werden, so dass die Etablierung unseres Fachdienstes in Fachkreisen als positiv gewertet werden kann. Im ABW-Sucht wurden 2010 (in Klammern 2009) 29 Personen (26) betreut, im ABW für psychisch Behinderte für insg. 21 (13) Personen. Im Laufe des Jahres schieden 3 Personen aufgrund der Aufnahme in eine stationäre Wohneinrichtung (0), jeweils eine Person durch eigene Kündigung (1) bzw. durch die Beendigung der Betreuung durch den Fachdienst aus der Betreuung aus, so dass die bisherige gute Haltequote gehalten werden konnte. Eine weitere Klientin verstarb an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Bemerkenswert bleibt, dass in Hagen auch in 2010 umfänglichere Betreuungszeiten genehmigt wurden im Vergleich zum EN-Kreis. Weiterhin hält Integra e.V. drei Angebote zur Gruppenarbeit mit Unterstützung von „Ehemaligen“ aus der Selbsthilfegruppe Vorhalle vor (Gesprächsgruppe, Frühstücksgruppe, Sportangebot). Die Gruppen wurden allerdings in 2010 nur in geringem Umfang besucht, werden jedoch beibehalten, um die vorhandene fachliche Qualität unserer Angebote weiterhin vorzuhalten. Ziel ist es jedoch, das mehr Betreute die Gruppenangebote nutzen.

1.1.3. Fachdienst Märkischer Kreis

Die in 2009 begonnene Arbeit konnte sich gut entwickeln und es gelang dem Koordinator MK, Herrn Rudi Heinze, weitere Vernetzungskontakte zu knüpfen, Arbeitskreise zu besuchen (z.B. PSAG) und Kooperationspartner zu finden.

Waren Ende 2009 erst 6 Klienten „am Netz“, so wurden Ende 2010 bereits 21 Klienten (15 x Sucht, 6 x psych. Behinderte) betreut. Es entwickelte sich die stärkste Nachfrage im Raum Lüdenscheid und nicht, wie erwartet im Raum Iserlohn, so dass es notwendig wurde ein zweites Fachdienst-Büro in Lüdenscheid zu suchen. Die Anmietung von Räumlichkeiten konnte zum Ende des Jahres erfolgreich umgesetzt werden.

Hauptaufgabe beim Aufbau des „jüngsten“ Integra-Fachdienstes war die Suche kompetenter Mitarbeiter und der damit verbundene Team-Aufbau. Z.T. lange Fahrtwege in MK erschwerten die Arbeitsbedingungen für die betreuenden Fachkräfte, jedoch standen – im Vergleich zu EN und Ha – eine hohe Zahl von genehmigten Fachleistungsstunden zur Verfügung, durch die wir das Klientel intensiv betreuen konnten.

Die Klientenfluktuation in MK bewerten wir in Anbetracht des sehr schwer gestörten Klientels als gering: 3 Personen brachen ihre Betreuung ab.

1.2. Fachdienst Flexible Erziehungshilfen

In den Vorjahren war die Spezialisierung unseres Fachdienstes (Sucht und/oder psych. Erkrankung) vor allem beim Wittener Jugendamt gefragt. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Koordinators in EN-Nord zum 31.12.2009, der bis dato auch ausschließlich mit dem Jugendamt Witten zusammengearbeitet hatte, war das Jahr 2010 in der Jugendhilfe von Umbrüchen gekennzeichnet.

In EN-Nord konnte mit Frau Anja Underberg zum 1.2.2010 eine kompetente Nachfolgerin gefunden werden. Da der bisherige Koordinator in Witten sich selbständig machte und als direkter (und preisgünstigerer) Konkurrent auftrat, brachen leider eine Reihe von Fällen in Witten weg. Um dies auszugleichen, beschloss der Vorstand von Integra e.V. die Ausweitung des Jugendhilfe-Angebotes auf die Städte Wetter, Herdecke und Hagen, um eine breitere regionale Basis in der Jugendhilfe zu schaffen und nicht nur von einem einzigen Jugendamt abhängig zu sein. Frau Underberg musste zunächst vielfältige Akquise-Aktivitäten durchführen, um den Fachdienst bekannt zu machen. Jedoch wurde sie bereits nach wenigen Wochen Betriebszugehörigkeit schwanger und konnte bereits im Laufe des Mai 2010 – schwangerschaftsbedingt – ihre Arbeit nicht fortsetzen. Es gelang, mit Herrn Dipl.-Soz.Päd. Gerald Wind, bereits zum 1.6.2010 einen adäquaten Nachfolger zu finden.
Die regionale Erweiterung unseres Jugendhilfe-Angebotes ging einher mit einer Freistellung für Leitung, Akquise und Verwaltung im Umfang einer halben Stelle, um den Fachdienst auf dem bisherigen Niveau zu halten. Bis Ende 2010 gelang dies durch eine intensive Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Wetter und, zumindest in geringem Umfang auch mit dem Jugendamt Hagen.

In EN-Süd entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem JA Schwelm zunächst gut, jedoch gelang es innerbetrieblich auch dort nicht, den Koordinator, der diese Aufgabe auf freiberuflicher Basis in 2009 erfolgreich begonnen hatte, an Integra e.V. zu binden. Da diese notwendige Perspektive nicht vorlag, musste Integra e.V. diese Zusammenarbeit zum 31.12.2010 beenden. Um einen fließenden Übergang zu gewährleisten, wurde die Leitung der Jugendhilfe in EN-Süd bereits ab August 2010 von Herrn Wind mit übernommen, so dass er nunmehr den gesamten Fachdienst in EN und Hagen verantwortet.

Mit der Gebietserweiterung gelang es, die bisherigen Betreuungsumfänge zu halten, jedoch ließ sich zum Ende des Jahres 2010 noch keine aussagekräftige Prognose aussprechen, ob der jetzige regionale und organisatorische Stand der Jugendhilfe zukunftssicher ist.
Hier müssen sowohl die zukünftigen Belegungsergebnisse abgewartet werden als auch die Erfahrungen, ob es Integra e.V. gelingt, die notwendigen fachkompetenten MitarbeiterInnen zu finden, die unsere Spezialisierung auch umsetzen können.

Das gesamte Verfahren der Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe konnte im Übrigen mit der Unterzeichnung einer Leistungsvereinbarung mit dem Jugendamt Wetter erfolgreich abgeschlossen werden.


D. Drögekamp - Geschäftsführer -